Agatha Christie – 16 Uhr 50 ab Paddington (1957) Classic Friday

Agatha Christie – 16 Uhr 50 ab Paddington  (1957) Classic Friday

Bei einer Zugfahrt glaubt die alte Mrs. McGillicuddy, in einem vorbeifahrenden Zug einen Mord beobachtet zu haben – ein Mann erwürgte eine junge Frau. Die Polizei hält ihre Beobachtung für Einbildung, weder im Zug noch an den Gleisen wird eine Leiche gefunden. Mrs. McGillicuddys Freundin Miss Marple aber geht der Sache nach. Ihr fällt auf, dass nah an der Zugstrecke nur der Landsitz Rutherford Hall liegt und es gibt Hinweise, dass dort die Leiche versteckt sein könnte. Miss Marple weiht ihre Freundin Lucy Eyelesbarrow ein, die sich auf dem Anwesen als Hauswirtschafterin einschleust. Während Lucy sich unauffällig auf dem Grundstück umsieht und die Familie aushorcht, erstattet sie Miss Marple regelmäßig Bericht. Und tatsächlich stößt Lucy bald auf verdächtige Vorgänge und schließlich auf eine Leiche …

“16 Uhr 50 ab Paddington” ist heute vor allem dank der komödiantischen und höchst unterhaltsamen Verfilmung mit Margaret Rutherford als schrullige rüstige Hobby-Detektiv bekannt. Die Romanvorlage von Krimilegende Agatha Christie unterscheidet sich allerdings in einigen Punkten von der Verfilmung – und dennoch erwartet den Leser ein nicht minder unterhaltsames Vergnügen. Miss Marple ist hier eine äußerst scharfsinnige, aber auch zurückhaltende alte Dame. Beim Stricken und Tee trinken grübelt sie über die Vorfälle auf Rutherford Hall nach, während ihre junge Freundin Lucy tatkräftig und nicht gerade risikolos vor Ort ermittelt.

Sehr gelungen sind auch alle Anwohner von Rutherford Hall, angefangen vom griesgrämigen alten Crackenthorp über seine grundverschiedenen Söhne, seine Tochter Emma, seinen Schwiegersohn und seinen Enkel Alexander. Alle Erwachsenen sind gleichermaßen verdächtig und nur ganz allmählich fügen sich die Bruchstücke zusammen. Das Ende ist sowohl verblüffend als auch logisch. Im Nachhinein erkennt der Leser zahlreiche Hinweise auf den Täter, die aber vorher kaum zu erahnen sind. Zwar ist der Roman mittlerweile mehr als fünfzig Jahre alt, hat aber nichts von seinem Charme eingebüßt. Die ruhige, zerbrechlich wirkende Miss Marple, die im Hintergrund ermittelt, ist ein liebenswerter Gegensatz zu den üblichen modernen Privatermittlern.

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